Agroforstsystem auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Ackervielfalt eG

Im Dezember 2024 haben wir auf dem Acker der Solawi Ackervielfalt ein Agroforstsystem angelegt. Dank der Beratung durch Triebwerk und weiterer Fördermittel durch SilvoCultura konnten wir gemeinsam mit der Solawi Ackervielfalt eine nachhaltige und zukunftsweisende Anbauform etablieren, die ökologische und wirtschaftliche Vorteile bietet. Im Folgenden möchten wir einen Überblick über die Umsetzung des Projekts, die beteiligten Akteure und die erwartete Wirkung geben.
Projektdetails
Pflanztermin: 6. bis 8. Dezember 2024
Teilnehmende: 5 Tree-Athletes sowie ca. 15 (wechselnde) Mitglieder der Solawi Ackervielfalt eG (Unterstützung auf dem Acker, aber auch in der Küche)
Gesamtkosten: ca. 10.000 €
Finanzierungsaufteilung:
- Tree-Athlete e.V.: 2.188,32 €
- SilvoCultura: 2.415,00 €
- Ackervielfalt eG: übernimmt die verbleibenden Kosten als Eigenanteil
Die Fläche.
Die Agroforstfläche befindet sich bei der Solawi Ackervielfalt in Lage-Hagen in der Nähe von Bielefeld und wird als Market-Garden bewirtschaftet. Der Market-Garden ist ein intensives, kleinflächiges Anbausystem mit festen Beeten, das auf regenerativen Methoden basiert und eine hohe Vielfalt sowie Erträge auf kleiner Fläche ermöglicht. Hier wurde nun auf Basis einer Planung von Tristan Mitzel von Triebwerk ein diverses Agroforstsystem integriert, um den Boden langfristig zu stabilisieren, Biodiversität zu fördern und das Mikroklima positiv zu beeinflussen – mit dem Ziel die Bewirtschaftung resilienter zu gestalteten und den Acker in ein lebendiges Ökosystem zu transformieren.
Warum ein Agroforstsystem im Market-Garden?
Das Agroforstsystem bietet zahlreiche Vorteile für dieses Market-Garden Ökosystem:
- Bodenschutz & Erosionsminderung: Die Gehölze schützen den Boden vor Austrocknung und Wind und die dauerhaften Wurzeln der Bäume halten den Boden und aktivieren das Bodenleben und ermöglichen die Ansiedlung von zahlreichen Pilzarten.
- Erhöhte Biodiversität: Verschiedene Gehölzarten bieten Lebensraum für Insekten und Vögel, Käfer, Mikroorganismen und Pilze.
- Mikroklima-Verbesserung: Die Gehölze spenden Schatten und regulieren Feuchtigkeit.
- Ertragssteigerung: Durch die Kombination aus Gehölzen und Gemüsebau entsteht eine höhere Gesamtnutzung.


Gepflanzte Gehölze und Stauden
Große Bäume:
Birnenbäume, Walnuss, Esskastanie, Speierling, Himalaya-Sanddorn, Italienische Erle, Henry-Linde
Mittelgroße Obstbäume und große Obststräucher:
Zwetschge, Kirsche, Quitte, Nashi-Birne, Apfel, Feige, Kornelkirsche, Kakimone, Mispel, Pawpaw, Aprikose, Pfirsich
Beerensträucher:
Maibeere, Felsenbirne, Rote Johannisbeere, Schwarze Johannisbeere, Jostabeere, Stachelbeere, Maulbeere, Brombeere, Himbeere
Stauden:
Pimpernuss (integriert in die Staudenbeete)
Des Weiteren werden in 2025 nach und nach noch 18 Staudenstreifen angelegt:
- Die 18 Streifen werden abwechslungsreich mit Stauden, Heil- und Küchenkräutern, Gräsern sowie Gründüngung bepflanzt. Die Auswahl umfasst vorwiegend Wildstauden oder Kulturformen, viele davon bienenfreundlich und teils essbar (z. B. Topinambur, Fette Henne). Mediterrane Kräuter wie Rosmarin und Thymian erhalten trockene Standorte, während Schnittlauch & Co. mit Gründüngung kombiniert werden. Lavendel, Heilkräuter und Gräserstreifen ergänzen das System, um möglichst viel Abwechslung für die Insekten zu bieten.
Unter den Bäumen werden Beinwell und Rhabarber gepflanzt


Ziel der Maßnahme & erwartete Wirkung
Das Agroforstsystem ist langfristig angelegt und soll den regenerativen Ansatz bei der Bewirtschaftung der Fläche unterstreichen und befördern. Die erwarteten Wirkungen sind:
Kurzfristige ökologische Effekte:
- Steigerung der Biodiversität: Schon im ersten Jahr nach der Pflanzung bieten die Gehölze Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Insekten, Vögel, Bodenlebewesen und Mikroorganismen.
- Stärkung des Bodenlebens: Durch das vermehrte organische Material, das durch Laubfall und Wurzelausscheidungen entsteht, werden Mikroorganismen und Bodenlebewesen gefördert.
- Verbesserte Wasserspeicherung: Die Gehölze tragen dazu bei, Regenwasser besser im Boden zu halten und so die Verdunstung zu reduzieren.
- Schutz vor Wind- und Wassererosion: Bereits junge Pflanzen bremsen den Wind und verringern die Bodenerosion durch Starkregen.
Langfristige ökologische Effekte:
- Stabilisierung des Ökosystems: Durch das Agroforstsystem entwickelt sich ein widerstandsfähiges Agrarökosystem mit stabilen Erträgen.
- Erhöhung der Resilienz gegenüber Klimawandelfolgen: Gehölze speichern Wasser, bieten Schatten und schützen so vor Dürre- und Hitzestress.
- Verbesserung des Wasserkreislaufs: Die tiefwurzelnden Gehölze verbessern langfristig die Wasserzirkulation im Boden und verringern den Oberflächenabfluss.
- Förderung natürlicher Kreisläufe: Durch Symbiosen zwischen Bäumen, Pilzen und Bodenorganismen entsteht ein nährstoffreicher Boden mit hoher Wasserhaltefähigkeit.
- Langfristiger Kohlenstoffspeicher: Das wachsende Gehölzsystem bindet CO₂ und trägt aktiv zum Klimaschutz bei.
Öffentlichkeitswirkung & Zusammenarbeit
Ein wichtiger Aspekt dieses Projekts ist die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen landwirtschaftlichen Betrieben. Im Rahmen einer Schul-AG mit einer von der Solawi benachbarten Albert-Schweitzer-Schule in Lage-Hagen werden Kinder an die kleinteilige Landwirtschaft / den kleinteiligen Gemüseanbau der Ackervielfalt eG herangeführt und werden aktiv an der Pflege des Agroforstsystems beteiligt. Darüber hinaus dient das Projekt als Modell für weitere Betriebe, die an nachhaltigen Anbauformen interessiert sind. Hierzu werden in 2025 und darüber hinaus spezielle Führungen und ein Workshop angeboten. Auch bei den Ackerführungen der Solawi Ackervielfalt wird das Thema Agroforst aufgegriffen und erklärt.
Durch eine geschickte Kombination von Agroforst und dem Market-Garden entsteht auf dem Acker eine bunte und vielfältige Oase für alle Sinne, die Menschen einlädt zum Verweilen, zum guten Arbeiten, zum Staunen, zum Naschen, zum Entdecken, zum Beobachten und zum Genießen. Ein wirklich bunter oder offener Treffpunkt für die Mitglieder, das Dorf, die Schule und alle Interessierten.
Wir bedanken uns herzlich für die Zusammenarbeit mit der Solawi Ackervielfalt, Triebwerk und SilvoCultura und freuen uns auf die weitere Entwicklung des Agroforstsystems und auf die nächsten Pflanzprojekte in 2025.